{"id":1099,"date":"2022-08-30T17:29:24","date_gmt":"2022-08-30T15:29:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wolkorunning.com\/frank\/2022\/08\/oetztaler-radmarathon-2022\/"},"modified":"2025-10-01T17:50:47","modified_gmt":"2025-10-01T15:50:47","slug":"oetztaler-radmarathon-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wolkorunning.com\/frank\/2022\/08\/oetztaler-radmarathon-2022\/","title":{"rendered":"\u00d6tztaler Radmarathon 2022"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">\u201eDen \u00d6tztaler m\u00fcssen Sie einmal fahren\u201c erkl\u00e4rt mir der Gipser (sub 9h) im Spital Korneuburg kurz bevor ich kollabiere. Das war im Mai 2021, nachdem ich mir bei einem MTB-Sturz meinen linken Unterarm gebrochen hatte. Kurz danach beginne ich zu recherchieren, 4 Alpenp\u00e4sse, 5500 HM, knapp 230km, Wahnsinn, nix f\u00fcr mich denke ich mir. Doch die Motivation f\u00fcr einen Radmarathon steigt, und so melde ich mich einmal f\u00fcr den Kitzb\u00fcheler Radmarathon (4600HM, 214km) im Juli 22 an. Parallel registriere ich mich f\u00fcr den \u00d6tztaler, bei ca. 20.000 Interessenten werden 4000 Starter zugelassen. Im ersten Jahr wird das sicher nichts\u201c, versichere ich Silvia. 3 Tage vor meinem Geburtstag bekomme ich dann die Best\u00e4tigungsmail, ich wurde gezogen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Es soll so sein, denke ich mir, und beginne mit strukturiertem Training. Mein Ergo wechselt mit den Ausfahrten im Freien, und bis zum \u00d6tztaler sollte ich knapp 7000 km und einige H\u00f6henmeter in den Beinen haben. Die Vorbereitungsrennen (Waschberg, Leithaberg und Kitzb\u00fcheler Radmarathon) verlaufen bis auf einen Kettenriss am Horn recht gut, und so reisen Silvia und ich am Freitag vor dem Rennen mit Bahn\/Bus nach S\u00f6lden an. Ein ganzer Ort ist hier im Ausnahmezustand, ich verbringe nur einen kurzen Moment im Veranstaltungszelt, die restliche Zeit n\u00fctzen wir f\u00fcr kleine Wanderungen bzw. Ausfl\u00fcge.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Am Sonntag dann um 4:15 Tagwache, um 4:30 erhalten wir (ca. 10 Starter aus dem Hotel) ein reichhaltiges Fr\u00fchst\u00fcck. In der Fr\u00fch hat es knapp 10\u00b0 aber es ist trocken, p\u00fcnktlich um 6:30 erfolgt der Startschuss. Zuerst geht es 30km talausw\u00e4rts nach \u00d6tz, nur nicht st\u00fcrzen lautet meine Devise. Doch hier wird trotz tlw. nasser Stra\u00dfe ohne R\u00fccksicht gefahren, einige St\u00fcrze, und in \u00d6tz angekommen bin ich trotz 43 km\/h Durchschnittsgeschwindigkeit am Ende des Feldes.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Vor dem ersten Anstieg aufs K\u00fchtai ziehe ich meine Jacke aus, diese werde ich erst wieder am Timmelsjoch ben\u00f6tigen. Die ersten 500HM geht es nur darum, auch bergauf mit niemandem zu kollidieren und nicht umzufallen. Im Feld wird noch sehr viel geredet, doch das w\u00fcrde sich noch \u00e4ndern. Erst ab der H\u00e4lfte des Anstieges in Ochsenhausen zieht sich das Feld etwas in die L\u00e4nge, und ich kann mein eigenes Tempo fahren und einige Radler \u00fcberholen. Am K\u00fchtai herrscht eine super Stimmung, die Labestelle lasse ich aus da ich selbst genug mithabe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Bei der Abfahrt nach Innsbruck gibt es auf Grund einer Baustelle eine Umleitung in Sellrain, 200 zus\u00e4tzliche HM, danach geht es runter ins Tal und weiter in Richtung Brenner. Ich kenne die Strecke, wei\u00df dass der Anstieg am Beginn etwas steiler und dann wieder flacher wird. Wir sind eine Gruppe mit knapp 50 Radlern, ich bleibe dran und fahre den z\u00e4hen, langen Anstieg in Richtung Brenner im Windschatten. Der Grenz\u00fcbergang will nicht n\u00e4herkommen, und hier kommen das einzige Mal an diesem Selbstzweifel auf. Doch nach knapp 5h komme ich endlich oben an, ich bleibe stehen und versorge mich mit Gels, Riegel und Iso. Die Versorgung ist bestens. Bei der Abfahrt m\u00fcssen wir 2km mit max. 25km\/h auf einen Radweg ausweichen, danach f\u00e4hrt man weiter nach Sterzing. Hier ist die n\u00e4chste Umleitung, ein kurzer Anstieg mit knapp 20%. Danach geht es rauf auf den Jaufenpass \u2013 \u201eHier beginnt der \u00d6tzi erst so richtig\u201c, wurde in der Fahrerbesprechung verlautbart. Ich genie\u00dfe die Auffahrt, endlich kann ich mein eigenes Tempo fahren und Fahrer um Fahrer \u00fcberholen. Mittlerweile ist Stille eingekehrt, und immer wieder m\u00fcssen Fahrer absteigen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">\u201eJetzt schon\u201c, denke ich mir und leide mit ihnen. 200 H\u00f6henmeter vor dem Ziel befindet sich der Gipfel, doch leider ist die Labestelle (auf Grund von Platzproblemen) ca. 100 HM unterhalb positioniert. Ich bleibe kurz stehen, beim Bergauf-Wegfahren sp\u00fcre dich heute das erste Mal so richtig meine Oberschenkel. Doch es passt, oben angekommen werden wir noch einmal angefeuert und dann geht es in die Abfahrt nach St. Leonhard.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"> Nach ca. 7h15min komme ich dort an und h\u00f6re im Lautsprecher, dass der Sieger soeben die Ziellinie \u00fcberquert hat \u201eWahnsinn\u201c, denke ich mir. Von 750m Seeh\u00f6he jetzt noch einmal rauf auf knapp 2500m, 25km, 9x Hadersfeld, kein Problem&#8230; Zuerst geht es ewig lang m\u00e4\u00dfig steil gerade aus, nach 500 HM beginnen die Kehren. \u201eAusgetr\u00e4umt?\u201c steht auf einem Transparent, \u201eSicher nicht!\u201c denke ich mir. Mein Tritt ist noch rund, und bis zur Labestelle bei Sch\u00f6nau auf 1750m Seeh\u00f6he kann ich wieder einige Fahrer vor mir \u00fcberholen. Kurz noch gest\u00e4rkt, und dann geht es in den final climb. Wind und Regen kommen auf, ich schaue immer nur bis zur n\u00e4chsten Kehre, und der Tunnel vor dem Gipfel kommt immer n\u00e4her. Dort angekommen genie\u00dfe ich kurz das trockene Wetter im Tunnel und wei\u00df, dass es nun nur noch 100 nicht mehr ganz so steile H\u00f6henmeter bis zum Gipfel sind. Wir Fahrer klatschen untereinander ab und gratulieren uns, leider sind auf Grund der Witterung keine Zuseher mehr vor Ort. Ich ziehe meine Jacke an und begebe mich in die Abfahrt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Danach folgt noch ein kurzer Anstieg mit 150 HM nach Hochgurgl, aber dieser stellt kein Problem mehr dar. Die finale Abfahrt nach S\u00f6lden ist ein einziger Genuss, ich muss nur noch darauf achten auf der regennassen Fahrbahn nicht zu st\u00fcrzen. Vor der Ortstafel in S\u00f6lden bleibe ich noch einmal stehen, ziehe meine Jacke aus und genie\u00dfe den Moment. Die Zieleinfahrt ist ein einziger Genuss, Silvia wartet auf mich, ich muss die eine oder andere Tr\u00e4ne verdr\u00fccken. Ich hatte einen Traum \u2013 I am an \u00d6tzi!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Zeit: 10:35.50,9<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">\u201eDen \u00d6tztaler m\u00fcssen Sie einmal fahren\u201c erkl\u00e4rt mir der Gipser (sub 9h) im Spital Korneuburg kurz bevor ich kollabiere. Das war im Mai 2021, nachdem ich mir bei einem MTB-Sturz meinen linken Unterarm gebrochen hatte. Kurz danach beginne ich zu recherchieren, 4 Alpenp\u00e4sse, 5500 HM, knapp 230km, Wahnsinn, nix f\u00fcr mich denke ich mir. Doch die Motivation f\u00fcr einen Radmarathon steigt, und so melde ich mich einmal f\u00fcr den Kitzb\u00fcheler Radmarathon (4600HM, 214km) im Juli 22 an. Parallel registriere ich mich f\u00fcr den \u00d6tztaler, bei ca. 20.000 Interessenten werden 4000 Starter zugelassen. 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