Zum 2. Mal nach 2022 bekam ich einen Startplatz für den Ötztaler Radmarathon – den „Ötzi“ – diesmal wollte ich die 10h-Marke unterbieten. Gemeinsam mit 4 Kollegen vom RC Sierndorf begab ich mich am 31.8.25 um knapp vor 6 Uhr mit ca. 4.300 Gleichgesinnten zur Startline. 227km mit 5500Hm, verteilt auf 4 Alpenpässe lautete die Vorgabe.
Das Thermometer zeigte 4 Grad, doch es waren Sonne und in Südtirol Temperaturen bis knapp 25 Grad vorausgesagt. Man merkte die kleidungstechnisch unterschiedlichen Zugänge, ich verzichtete auf große Experimente und hatte nur Ärmlinge u. meine dünne Jacke an. Ich wusste, dass die ersten 20km aus Ötztal raus etwas frisch werden würden… und es wurde kalt, sehr kalt. Noch nie hatte ich mich so auf einen Anstieg gefreut, doch das Ausziehen der Jacke stellte sich auf Grund der kalten Hände schwierig dar. Ich schaffte es nicht gescheit, die Jacke in meinem Trikot zu verstauen, so verfing sie sich beim Wegfahren in meinem Hinterrad – ein super Beginn, dachte ich mir. Ich konnte nach 2-3 min das Problem lösen, die Jacke war kaputt, aber so musste ich mir nicht mehr überlegen sie heute nochmals zu verwenden. Mit etwas Wut im Bauch fuhr ich nun rauf aufs Kühtai, die Beine waren gut und so konnte ich doch wieder einige überholen. Trotz des Missgeschicks war ich am Gipfel schon unter meiner Zielzeit, was mich nun wieder sehr positiv stimmte. Die Abfahrt ist auf Grund einiger Lawinenverbauungen und Tiergitter eine Herausforderung, dort sah ich auch den ersten schweren Sturz, doch ich kam glimpflich vorbei. Am Ende der Abfahrt sah ich dann knapp 300 m vor mir den Traum eines jeden Rennradfahrers, eine Gruppe mit knapp 100 Leuten – ich sprintete hin und konnte so im großen Pulk rauf auf den Brenner fahren. Auch wenn die Gruppe beim langen Anstieg immer kleiner wurde konnte ich doch Kräfte sparen – „war das Missgeschick mit der Jacke doch für etwas gut“, dachte ich mir….Oben am Brenner legte ich bei der Labe die erste Pause ein, nach knapp 120km und 2000HM hatte ich einen Schnitt von knapp 30 km/h und lag schon über 20min unter meiner Zielzeit.

Beim knackigen Anstieg bei der Ortsumfahrung in Sterzing überholte ich zu meiner Überraschung meinen Teamkollegen – „super siehst du aus, Martin“, rief er mir zu, wir sollten uns erst im Ziel wiedersehen. Danach musste der 3.Pass – der „Jaufen“ – mit ca. 1200 HM überquert werden. „Im Gegensatz zum Brenner endlich wieder ein richtiger Berg“, dachte ich mir, und beim Reinfahren waren meine Beine immer noch recht locker. Ich konnte Fahrer um Fahrer überholen und ein gleichmäßiges Tempo bis zum Gipfel durchkurbeln. Die Labe, welche sich knapp 100 Hm unter dem Gipfel befindet, ließ ich diesmal aus, gegen den Berg dann wieder wegfahren ist nicht meines. Ich fühlte mich super und konzentrierte mich auf den 1500 HM bergab nach St. Leonhard einfach darauf, keinen Fehler zu machen. Obwohl ich mich schon superschnell (am Ende sollte mein Tacho eine Maximalgeschwindigkeit von 90 km/h anzeigen) fühlte, wurde ich doch von einigen überholt. Unten in St. Leonhard wartete nun der Scharfrichter – „der Timmel“ – auf uns. 2000 HM zum Abschluss, und hier war es am Beginn mit der Sonne doch wieder recht warm. Die Beine waren immer noch gut und ich war top motiviert. Ich konnte wieder einige überholen, und vor der letzten Labe in Moos auf 1750 m sogar in einer Gruppe das flachere Stück absolvieren. Ich holte mir noch Cola und Red Bull, und so ging es die steilen 800 Hm rauf auf den Gipfel. Natürlich wurden nun auch meine Beine schon schwerer, doch ich konnte mein Tempo durchfahren. Schon bald sollte der Tunnel, durch welchen man zurück nach Österreich gelangt, am Horizont auftauchen, und mit einer Zeit von ca. 8h50min erreichte ich den Gipfel.

„Wenn nichts mehr passiert, sollten sogar die sub9:30 drinnen sein“, dachte ich mir. Entsprechend konzentriert fuhr ich die Abfahrt, und die beiden letzten kurzen Anstiege nach Hochgurgel und vor Sölden stellten auch kein Problem mehr dar. Schneller als gedacht tauchte vor mir wieder die Ortschaft in Sölden auf, Gänsehaut pur – nach 9h24min und fast 1h10min schneller als beim ersten Antreten erreichte ich das Ziel in den Top 1000. Ich war einfach glücklich, über die Zeit aber vor allem auch gesund im Ziel zu sein. Es war ein super Erlebnis, 2026 wird trotzdem ohne mich stattfinden.